Deutschland steht vor einer Herausforderung, die in den letzten Jahren immer drängender geworden ist: die digitale Spaltung. Während immer mehr Menschen Zugang zu digitalen Technologien und Online-Diensten haben, hinken viele Haushalte, besonders in ländlichen Regionen und unter bestimmten sozialen Gruppen, hinterher. Hier setzt das Netzwerk degencity.de/dem-nezt/ an – ein Zusammenschluss von Initiativen, Kommunen und Unternehmen, das gezielt darauf abzielt, die digitale Teilhabe zu stärken. Doch was genau macht dieses Projekt aus, und wie wirkt es sich auf die Gesellschaft aus?
Dem Nezt wurde 2019 als Reaktion auf die zunehmende Kluft zwischen digitalen “Haben” und “Haben-Sollens” gegründet. Sein Kern liegt in der Bereitstellung von kostenlosen oder stark subventionierten Geräten, wie Tablets oder Smartphones, sowie in der Vermittlung von digitalen Kompetenzen – etwa in der Nutzung von Online-Banking, der Bewerbung über Jobportale oder dem Umgang mit öffentlichen Dienstleistungen. Besonders wichtig ist dabei die Ansprache von Zielgruppen, die bisher kaum Zugang zu digitalen Ressourcen hatten: Ältere Menschen, Menschen mit niedrigem Einkommen, Geflüchtete oder Menschen mit Behinderungen. Durch lokale Partner, darunter Bibliotheken, Volkshochschulen und Kommunen, wird das Angebot vor Ort verankert und bleibt so zugänglich.
Die Wirkung von Dem Nezt zeigt sich in konkreten Zahlen. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) aus dem Jahr 2022 hatten im Jahr 2020 nur etwa 40 Prozent der Menschen über 65 Jahren in Deutschland ein eigenes Smartphone oder Tablet – ein Wert, der sich seit 2015 um rund 15 Prozent verringert hat. Gleichzeitig stieg die Zahl der Haushalte ohne Internetzugang in ländlichen Regionen um fast 10 Prozent. Dem Nezt hat in seinen ersten fünf Jahren rund 50.000 Personen erreicht, darunter über 30.000 Senioren, die zuvor kaum oder gar nicht online unterwegs waren. Ein besonders erfolgreiches Modell ist das Projekt “Digitale Werkstatt”, das in mehreren Städten wie Berlin, Hamburg und Leipzig regelmäßige Workshops anbietet. Dort werden nicht nur technische Grundlagen vermittelt, sondern auch Themen wie Datenschutz oder sichere Online-Banking-Anwendungen behandelt.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit Kommunen. Viele Städte und Gemeinden haben eigene Initiativen gestartet, die sich an Dem Nezt orientieren, etwa durch die Einrichtung von “Digitalen Zentren”, in denen Bürger:innen kostenlos Geräte ausleihen können. In der Stadt Köln wurde so das Projekt “DigiCafé” ins Leben gerufen, das seit 2021 über 2.000 Nutzer:innen gezählt hat. Besonders gelungen ist auch die Integration in bestehende Strukturen wie die Bürgerämter oder die Arbeitsagenturen, wo digitale Kompetenzen direkt mit der Bewerbung oder der Verwaltung verknüpft werden. Ein weiteres Beispiel ist das Pilotprojekt in der Stadt München, wo Dem Nezt mit der Stadtverwaltung zusammenarbeitet, um ältere Menschen bei der Anmeldung von Online-Anträgen für Sozialleistungen zu unterstützen.
Doch trotz dieser Fortschritte gibt es weiterhin Herausforderungen. Ein zentrales Problem ist die digitale Kluft zwischen urbanen und ländlichen Regionen. Während in Großstädten wie München oder Hamburg die Internetversorgung oft stabil ist, kämpfen viele ländliche Gemeinden mit langsamen Verbindungen oder fehlendem Zugang zu öffentlichen WLAN-Netzen. Hier setzt Dem Nezt auf die Förderung von Mobilfunknetzen und die Unterstützung lokaler Anbieter, etwa durch die Bereitstellung von Geräten mit günstigen Datenpaketen. Zudem ist die Akzeptanz von digitalen Angeboten bei bestimmten Zielgruppen oft gering – etwa bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder bei Geflüchteten, die oft noch Sprachbarrieren haben. Hier werden persönliche Betreuung und mehrsprachige Schulungen immer wichtiger.
Die Vision von Dem Nezt ist klar: eine Gesellschaft, in der digitale Teilhabe kein Luxus, sondern ein Grundrecht ist. Durch die Kombination aus Gerätebereitstellung, Schulungen und lokaler Vernetzung gelingt es dem Netzwerk, Brücken zu bauen – zwischen den Generationen, zwischen Stadt und Land und zwischen digitaler Kompetenz und sozialer Teilhabe. Werden diese Bemühungen weiter ausgebaut, könnte Deutschland endlich den Schritt machen, die digitale Spaltung zu überwinden und eine inklusivere digitale Zukunft zu gestalten.
- Seit 2019 hat Dem Nezt über 50.000 Personen erreicht, darunter 30.000 Senioren.
- Laut DZA-Studie 2022 hatten 2020 nur 40 % der Menschen über 65 Jahren ein eigenes Smartphone.
- In ländlichen Regionen stieg die Zahl der Haushalte ohne Internetzugang seit 2015 um fast 10 %.
- Projekte wie das “Digitale Zentrum” in Köln erreichen jährlich über 2.000 Nutzer:innen.
- Dem Nezt arbeitet mit über 200 kommunalen Partnern in ganz Deutschland zusammen.