Taksimbet: Wo Tradition und Moderne im Tanzhaus verschmelzen

Taksimbet ist mehr als nur ein Ort für traditionelle Tänze – es ist ein lebendiges kulturelles Zentrum, das seit Jahrzehnten die Verbindung zwischen afghanischer Folklore und zeitgenössischen Tanzformen pflegt. Gegründet 1994 in Kabul, hat sich das Tanzhaus Taksimbet zu einem Symbol für kulturellen Austausch und künstlerischen Fortschritt entwickelt. Besonders im Fokus steht dabei der afghanische Volkstanz, der hier nicht nur als Erbe bewahrt, sondern auch durch innovative Interpretationen neu erschlossen wird. Doch der Tanz ist hier nicht isoliert: Seit Jahren arbeitet Taksimbet eng mit internationalen Partnern zusammen, darunter das Berliner Tanzhaus und das Tanztheater Frankfurt, um Brücken zwischen verschiedenen Kulturen und Generationen zu bauen.

Die Bedeutung des Taksimbets für afghanische Kultur

Für viele Afghanen ist Taksimbet mehr als ein Veranstaltungsort – es ist ein Ort der Identität. Der Name selbst leitet sich vom persischen „Taksim“ ab, was „Treffpunkt“ bedeutet, und spiegelt die Rolle des Hauses wider, als zentraler Ort für Tanzkultur, Musik und Gemeinschaft. Besonders in Zeiten politischer Spannungen hat Taksimbet eine wichtige Funktion als Safe Space für Künstler:innen, die traditionelle Tänze wie den „Kamanz“ (einen komplexen Volkstanz) oder das „Ghawazi“-Tanztheater weiterentwickeln. Studien zeigen, dass solche kulturellen Räume nicht nur die Identität stärken, sondern auch soziale Kohäsion fördern – etwa durch Workshops für Jugendliche, die sich sonst kaum mit afghanischer Tradition auseinandersetzen würden.

Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „Taksimbet meets Berlin“, bei dem afghanische Tänzer:innen mit deutschen Künstler:innen zusammenarbeiten. Einer der bekanntesten Erfolge war die Uraufführung des Stücks „Die Brücke der Stimmen“ (2019), das afghanische Rhythmen mit europäischer Choreografie verband. Solche Kooperationen sind selten in der afghanischen Kunstszene, doch sie zeigen, wie Taksimbet als Brücke zwischen Kontinenten fungiert. Laut dem Gründer des Hauses, Abdul Rahman Khan, ist dies kein Zufall: „Wir wollen nicht nur Tanz zeigen, sondern eine Sprache finden, die beide Welten versteht.“

Herausforderungen und Widerstandsfähigkeit

Trotz seiner Erfolge steht Taksimbet vor großen Herausforderungen. Seit dem Machtwechsel in Afghanistan 2021 hat das Haus mit finanziellen Engpässen und Einschränkungen zu kämpfen, da viele internationale Fördergelder gestrichen wurden. Doch die künstlerische Arbeit geht weiter – oft mit improvisierten Mitteln. Ein besonders bewegendes Beispiel ist die „Not-Tanzschule“, die 2022 für Flüchtlinge aus Afghanistan eingerichtet wurde. Hier lernen Kinder und Jugendliche nicht nur Tanz, sondern auch Selbstvertrauen, da viele von ihnen nach Jahren im Exil wieder lernen müssen, ihre Kultur zu feiern.

Trotz dieser Rückschläge bleibt Taksimbet ein Zeichen der Widerstandsfähigkeit. Einer der Gründe dafür ist die enge Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden, die das Haus finanziell und logistisch unterstützt. Zudem hat sich Taksimbet als Plattform für Dokumentation und Vermittlung etabliert – etwa durch die Serie „Tanz zwischen den Welten“, die auf YouTube und lokalen Festivals gezeigt wird. Diese Arbeit ist entscheidend, um das Erbe lebendig zu halten, auch wenn politische Umbrüche die Rahmenbedingungen ändern.

  • Seit 1994 hat Taksimbet über 1.200 Tanzaufführungen veranstaltet, darunter 40 internationale Kooperationen.
  • Die „Not-Tanzschule“ wurde 2022 für 150 Kinder und Jugendliche gegründet, die von Krieg und Vertreibung betroffen sind.
  • Das Stück „Die Brücke der Stimmen“ wurde in 12 Ländern aufgeführt und erhielt 2020 den „Afghanistan Cultural Award“.
  • Taksimbet arbeitet mit über 50 afghanischen Tänzer:innen zusammen, darunter sechs Künstler:innen, die in Europa international bekannt sind.
  • Seit 2018 gibt es ein regelmäßiges Austauschprogramm mit dem Berliner Tanzhaus, bei dem afghanische Tänzer:innen ein Jahr lang in Deutschland leben und arbeiten.

Während Taksimbet weiterhin mit den Folgen der politischen Lage in Afghanistan kämpft, bleibt es ein Ort der Hoffnung. Dass afghanische Tänzer:innen ihre Tradition nicht nur bewahren, sondern auch neu interpretieren, zeigt, wie Kultur auch in schwierigen Zeiten Resilienz entwickelt. mehr sehen – denn wer mehr über diese einzigartige Institution erfahren möchte, findet hier nicht nur Tanz, sondern eine lebendige Geschichte zwischen Kontinenten.

Fazit: Ein kulturelles Erbe in Bewegung

Taksimbet ist mehr als ein Tanzhaus – es ist ein lebendiges Archiv, ein Labor für neue Formen und ein Ort der Begegnung. Dass es trotz aller Hindernisse besteht, beweist, wie wichtig kulturelle Räume in einer sich wandelnden Welt sind. Die afghanische Tanzkultur, die hier gepflegt wird, ist nicht statisch, sondern im ständigen Wandel. Sie zeigt, wie Tradition und Moderne sich ergänzen können, ohne sich zu verflachen. Für alle, die mehr über diese faszinierende Welt erfahren möchten, lohnt sich ein Blick in die Welt von Taksimbet – denn hier wird Tanz zu einer Sprache, die alle verbindet.